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Anforderungskatalog ERP-System - So strukturieren Sie Ihre Auswahl

ERP Anforderungskatalog richtig strukturieren

Tanja Alesi

Tanja ist...

27.04.2026

Anforderungen definieren ist der erste Schritt. Sie in eine Struktur bringen, mit der Sie Anbieter tatsächlich vergleichen können, ist der zweite. Genau dafür gibt es den ERP-Anforderungskatalog.

Ein Anforderungskatalog für ein ERP-System macht aus losen Anforderungen ein Werkzeug, mit dem Sie Anbieter objektiv vergleichen können. Ohne dieses Werkzeug bewerten Sie Systeme nach Eindruck statt nach Passung. Dieser Artikel zeigt, wie ein ERP-Anforderungskatalog aufgebaut ist, wie Sie ihn konkret ausfüllen und bewerten und wo der Unterschied zum Lastenheft liegt. Mit einem vollständig ausgefüllten Beispiel für KMU und den vier häufigsten Fehlern, die das Ergebnis verfälschen.

Kostenlose Vorlage herunterladen

Was einen ERP Anforderungskatalog von einem Lastenheft unterscheidet

Anforderungsliste, Anforderungskatalog, Lastenheft: drei Begriffe, die oft synonym verwendet werden, aber unterschiedliche Aufgaben haben. Wer die Unterschiede kennt, spart sich doppelte Arbeit und setzt jedes Dokument dort ein, wo es den größten Nutzen bringt.

Dokument Zweck Zielgruppe Format
Anforderungsliste WAS brauchen wir? Intern Freitext, Stichpunkte
Anforderungskatalog WIE bewerten und vergleichen wir? Intern und Anbieter Strukturierte Tabelle mit Bewertungsskala
Lastenheft WAS soll der Anbieter vertraglich liefern? Anbieter Formales Dokument, vertragsrelevant

Der ERP Anforderungskatalog ist das Arbeitswerkzeug. Das Lastenheft ist das Ergebnis. Der Katalog hilft Ihnen, Systeme systematisch zu bewerten und zu vergleichen. Das Lastenheft entsteht daraus als formales Dokument für die Vertragsverhandlung. Wer den Unterschied kennt, vermeidet es, ein 200-Seiten-Lastenheft zu schreiben, bevor überhaupt klar ist, welche Anforderungen Priorität haben.

Aufbau und Struktur eines Anforderungskatalog ERP

Ein guter Anforderungskatalog für eine ERP-Software folgt einer klaren Struktur. Er besteht aus fünf Elementen, die zusammen ein vollständiges Bewertungswerkzeug ergeben:

  • Kategorien - die Bereiche, in denen Anforderungen erhoben werden (Vertrieb, Einkauf, Buchhaltung, Technik, Anwender)
  • Einzelanforderungen - konkrete, messbare Anforderungen pro Kategorie
  • Priorität - Einstufung als Muss, Soll oder Kann (oder nach MoSCoW-Methode)
  • Bewertungsskala - einheitliche Skala für alle Anbieter (z. B. 1 bis 5)
  • Anbieterspalten - eine Spalte pro System, in der die Bewertung eingetragen wird

Die Grundstruktur als Vorlage sieht so aus:

Kategorie Anforderung Priorität Anbieter A Anbieter B Anbieter C
{Bereich} {Konkrete Anforderung} Muss / Soll / Kann 1-5 1-5 1-5

Entscheidend ist, dass die Anforderungen konkret formuliert sind. "Gute Buchhaltung" ist keine Anforderung. "GoBD-konforme Archivierung mit DATEV-Schnittstelle" ist eine. Je präziser die Formulierung, desto aussagekräftiger die Bewertung.

Damit Sie nicht bei null anfangen müssen, haben wir eine kostenlose Excel-Vorlage vorbereitet. Sie enthält die komplette Struktur mit vorbefüllten Kategorien, Dropdown-Feldern für Priorität und Bewertung, automatischer Berechnung der gewichteten Punktzahl und bedingter Farbcodierung.

Kostenlose Vorlage herunterladen

ERP Anforderungskatalog – ein Beispiel für KMU

Ein ERP Anforderungskatalog Beispiel zeigt am besten, wie das Werkzeug in der Praxis funktioniert. Die folgende Tabelle zeigt einen Ausschnitt mit 12 typischen Anforderungen für ein kaufmännisch orientiertes KMU, bewertet für zwei Systeme nach einer Demo-Phase:

Chart mit einem Vergleich von ERP-Anforderungen

So wird aus Anforderungen ein konkretes Lastenheft

Was zeigt dieses Anforderungskatalog ERP System Beispiel? System A punktet bei Buchhaltung und Schnittstellen (DATEV 5, API 5). System B ist stärker bei Benutzerfreundlichkeit und Automatisierung (Nachverfolgung 5, Bestellvorschläge 5, Klicks 5). Ohne den Katalog wäre diese Differenzierung nach zwei Demos kaum möglich gewesen.

Entscheidend für die Bewertung: Die Muss-Anforderungen müssen von beiden Systemen erfüllt werden. System B fällt bei der DATEV-Schnittstelle (3 von 5) auf. Wenn diese Anforderung nicht nachgebessert werden kann, ist das ein KO-Kriterium - unabhängig davon, wie gut das System in anderen Bereichen abschneidet.

Sie möchten Ihren eigenen Vergleich aufbauen? Unsere Excel-Vorlage enthält diese Struktur fertig aufgesetzt, mit Formeln, Dropdowns und Farbcodierung.

Anforderungen im ERP – Anforderungskatalog richtig bewerten

Die Bewertung ist der Moment, in dem der ERP Anforderungskatalog seinen Wert beweist. Drei Methoden haben sich in der Praxis bewährt:

MoSCoW-Methode für die Priorisierung:

  • Must-have - ohne diese Funktion ist das System nicht einsetzbar
  • Should-have - wichtig für den Arbeitsalltag, aber Workarounds wären denkbar
  • Could-have - wünschenswert, aber kein Entscheidungskriterium
  • Won't-have - bewusst ausgeschlossen, um den Fokus zu halten

Punkteskala für die Bewertung:

  • 5 = vollständig erfüllt, out of the box
  • 4 = erfüllt mit geringem Konfigurationsaufwand
  • 3 = teilweise erfüllt, Anpassung nötig
  • 2 = nur mit erheblichem Aufwand umsetzbar
  • 1 = nicht erfüllt

Gewichtungsfaktoren für das Gesamtergebnis:
Nicht jede Kategorie ist gleich wichtig. Wenn Buchhaltung und Compliance für Ihr Unternehmen kritischer sind als Projektmanagement, sollte sich das in der Gewichtung widerspiegeln.

Ein Anforderungskatalog mit ehrlichen Bewertungen ist unbequem. Aber er verhindert, dass Sie sich in die falsche Software verlieben. Wichtig dabei: Bewertungen müssen aus konkreten Tests und Demos kommen, nicht aus Herstellerangaben oder Datenblättern.

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Typische Fehler beim ERP Anforderungskatalog

Die vier häufigsten Fehler, die wir in unserer Beratungspraxis beobachten, machen den Katalog als Entscheidungswerkzeug wertlos:

  • Katalog erst nach den Demos erstellen - dann ist die Bewertung vom ersten Eindruck gefärbt statt von definierten Kriterien geleitet. Der Katalog muss VOR der ersten Demo stehen.
  • Alle Anforderungen gleich gewichten - wenn 50 Anforderungen ohne Priorisierung nebeneinander stehen, gewinnt das System mit den meisten Häkchen, nicht das mit der besten Passung für Ihre kritischen Prozesse.
  • Anbieter den Katalog selbst ausfüllen lassen - jeder Anbieter bewertet sich mit 4 oder 5 von 5. Die Bewertung muss durch Ihr eigenes Team erfolgen, idealerweise auf Basis von Testszenarien.
  • Katalog ohne Prozessgrundlage erstellen - wer seine eigenen Abläufe nicht kennt, stellt die falschen Fragen. Der Anforderungskatalog wird dann zur Wunschliste statt zum Bewertungswerkzeug.

Der letzte Punkt ist der kritischste. In unserer Softwert-Analyse erarbeiten wir mit Ihrem Team die Prozessgrundlage, aus der die Anforderungen für den Katalog entstehen. Ohne diesen Schritt bleibt der Katalog ein leeres Raster.

Vom Anforderungskatalog zum passenden ERP System

Der Anforderungskatalog ist ein Werkzeug auf dem Weg zur Entscheidung, nicht die Entscheidung selbst. Er ordnet sich in einen größeren Prozess ein:

1. Prozesse analysieren und Anforderungen erheben - die Grundlage für den Katalog

2. Anforderungskatalog strukturieren und Systeme bewerten - das Vergleichswerkzeug

3. Ergebnisse ins Lastenheft überführen - das formale Dokument für die Vertragsverhandlung

Wer verschiedene ERP-Systeme für seinen Katalog in Betracht ziehen möchte, findet in unserem ERP-Vergleich 2026 eine aktuelle Gegenüberstellung der gängigsten Lösungen für Unternehmen bis 50 Mitarbeitenden.

Der Anforderungskatalog funktioniert dann am besten, wenn die Anforderungen aus analysierten Prozessen stammen und nicht aus Herstellerbroschüren. Unsere Softwert-Analyse liefert genau diese Substanz - in einem kompakten Workshop, der Ihre Abläufe durchleuchtet und daraus konkrete, priorisierte Anforderungen ableitet.

Wer sich fragt, ob eine vorbereitende Analyse förderfähig ist: Programme wie der BAFA-Zuschuss oder der Digitalbonus Bayern unterstützen KMU bei genau solchen Digitalisierungsvorhaben. Die Voraussetzungen vorab zu prüfen lohnt sich.

Zwei Ressourcen für Ihren Einstieg:

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Häufige Fragen zum ERP-Anforderungskatalog

Was ist ein Anforderungskatalog für ein ERP-System?

Ein ERP-System Anforderungskatalog ist ein strukturiertes Dokument, in dem alle Anforderungen an ein neues ERP-System nach Kategorien geordnet, priorisiert und mit einer Bewertungsskala versehen werden. Er dient als objektives Vergleichswerkzeug bei der Anbieterauswahl.

Was ist der Unterschied zwischen Anforderungskatalog und Lastenheft?

Der Anforderungskatalog ist ein internes Arbeitswerkzeug zum Bewerten und Vergleichen von Systemen. Das Lastenheft ist ein formales Dokument, das an Anbieter geht und vertragsrelevant wird. Der Katalog entsteht zuerst, das Lastenheft wird daraus abgeleitet.

Wie viele Anforderungen gehören in einen ERP Anforderungskatalog?

Für KMU haben sich 30 bis 60 Anforderungen bewährt, verteilt auf 5 bis 8 Kategorien. Weniger als 20 bildet die Realität nicht ab, mehr als 80 wird unhandlich. Entscheidend ist die Qualität und Priorisierung, nicht die Menge.

Wer sollte den Anforderungskatalog ausfüllen?

Die Anforderungen sollten gemeinsam von Geschäftsführung, IT und Fachabteilungen erarbeitet werden. Die Bewertung der Anbieter muss durch Ihr eigenes Team erfolgen, idealerweise auf Basis von Testszenarien. Lassen Sie Anbieter den Katalog nicht selbst ausfüllen.

Wie finde ich heraus, welche Anforderungen relevant sind?

Der sicherste Weg ist eine strukturierte Prozessanalyse, bevor Sie den Katalog erstellen. In einer Softwert-Analyse erarbeiten wir mit Ihrem Team, welche Abläufe den größten Optimierungsbedarf haben und welche Anforderungen daraus entstehen.

27.04.2026

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